Der Neubau entstand aus dem wachsenden Platzbedarf der Stadtverwaltung. Das historische Alte Rathaus an der Langen Straße war über viele Jahrzehnte Sitz der Verwaltung gewesen, stieß jedoch zunehmend an seine räumlichen Grenzen. Dezentrale Arbeitsplätze und eingeschränkte Arbeitsabläufe machten einen Neubau notwendig – ebenso wie der Wunsch nach einem bürgerfreundlicheren Service.
Nach intensiven Planungen in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren fiel die Entscheidung für den heutigen Standort am Rathausmarkt. Die zentrale Lage sollte die Innenstadt stärken und zugleich einen neuen Mittelpunkt für Verwaltung und Wochenmarkt schaffen. Ein Architektenwettbewerb führte schließlich zu dem bis heute prägenden Gebäude mit seiner Klinkerfassade und dem markanten Rathausturm.
Im Januar 1986 wurde das Rathaus bereits in Betrieb genommen, die offizielle Einweihung folgte am 21. Mai 1986. Eine Besonderheit aus heutiger Sicht: Die Grundsteinlegung erfolgte erst nach der Eröffnung am 26. August 1986.
Mit dem neuen Rathaus entstand nicht nur ein Verwaltungsgebäude, sondern ein zentraler Ort des städtischen Lebens. Der Rathausmarkt entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Märkte, Veranstaltungen und Begegnungen. Glockenspiel und das große Buntglasfenster wurden schnell zu prägenden Symbolen.
Das Buntglasfenster aus dem alten Rathaus sorgte im Vorfeld für kontroverse Diskussionen. Einerseits galt es als fest für den alten Ratssaal gestiftet, andererseits wurde seine inhaltliche Bedeutung betont: Die Darstellung von Edelherr Johann III. von Diepholz sollte den Stadtrat symbolisch an Tradition und Geschichte erinnern. Schließlich wurde das Fenster in das neue Rathaus übernommen und blieb als historisches Element erhalten.
Auch das Glockenspiel hat eine besondere Geschichte: Die Finanzierung war zunächst nicht gesichert, da die erwarteten Bürgerspenden nicht ausreichten. Erst durch die Unterstützung des Diepholzer Kreisblatts anlässlich seines 125-jährigen Bestehens konnte das Projekt realisiert werden. Die Zeitung übernahm die Hälfte der Kosten. Den Spendenscheck überreichte der Verleger Walter Schröder. In Betrieb ging das Glockenspiel schließlich im Jahr 1987.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Rathaus kontinuierlich modernisiert und an neue Anforderungen angepasst – von technischen Erneuerungen über digitale Angebote bis hin zu energetischen Maßnahmen. Das Alte Rathaus bleibt zugleich ein bedeutender historischer Ort und wird heute unter anderem für Veranstaltungen und Trauungen genutzt.
Bürgermeister Florian Marré betont die Bedeutung des Rathauses für die Stadt: „Das Rathaus ist seit 40 Jahren ein zentraler Ort für die Menschen in Diepholz. Hier werden Entscheidungen getroffen, hier finden Gespräche statt und hier kommen Bürgerinnen und Bürger mit der Verwaltung in Kontakt. Es steht damit für Verwaltung, Demokratie und die Entwicklung unserer Stadt.“
Die Stadt Diepholz nutzt das Jubiläum, um auf die Geschichte des Hauses zurückzublicken und gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten. Denn auch nach 40 Jahren bleibt das Rathaus ein Ort, an dem Zukunft gestaltet wird.
Weitere Informationen zur Geschichte sind im Stadtarchiv verfügbar.

Das „neue“ Diepholzer Rathaus© Thorsten Schulze
